Der "etwas andere" Bericht zur Berliner Meisterschaft am 5.5.2012

Die Berliner Meisterschaft am 5.5.2012

Aus der Sicht eines Kampfrichters / Veranstalters

Text Michael Williams

 

 

Samstag der 5.5.2012, 6:00 Uhr, der Wecker klingelt. Steh auf, der große Tag ist da! Die Berliner Meisterschaft im Bodybuilding und Fitness! Wir haben alle Mann lange geackert für diesen Tag. Eine Kleinigkeit mit meiner Frau frühstücken, Tasche schnappen und am Breitenbachplatz unsere Punktezählerin Sabrina abholen.

Da ist sie ja! Klasse, das klappt! Auf dem Weg zum Fontane-Haus in Reinickendorf unterhalten wir uns schon angeregt über den heutigen Tag und gehen den Ablauf durch.

8:00 Uhr, wir sind da. Ein uns bekannter Athlet empfängt uns mit den Worten:“ Hallo, eine Freundin von uns, die auch starten will, liegt mit Getriebeschaden kurz nach Hamburg lahm. Mist!“

Was tun? Ich gebe ihm die Nummer von einem Bekannten aus Hamburg ( Mario vom Sportstudio Hamburg ) und sage:“ Ruf mal Mario an, vielleicht kann der noch was regeln!“

Wir müssen aber jetzt in die Halle. Vorne am Eingang liegen schon einige Athleten auf dem kalten Boden. „ Wir können noch nicht rein.“

Ich regel das. Die Athleten können rein und sich wenigstens im Foyer erstmal aufhalten. Wir gehen zur Halle. Viele sind schon am „wuseln“ auf und hinter der Bühne.

Mein Sohn David und sein Kumpel Benny sind auch schon da. Klasse! Das klappt auch!

David und Benny sollen den IFBB BERLIN Verkaufsstand leiten.

Sie kommen auch gleich mit zum Auto und helfen das Eingekaufte auszuladen und aufzubauen. Derweil hilft mir Sabrina den Athletencateringtisch aufzubauen und herzurichten.

Danach geht Sabrina zu unserem Hauptkampfrichter Jens und lässt sich einweisen in Ihre Aufgaben.

Ich gebe noch kurz den Jungs Anweisungen zum Stand und „verzieh“ mich, um mich umzuziehen für meinen Kampfrichterjob.

Den Raum zum Wiegen für die Athleten richten wir her und sehen schon einige ungeduldige Athleten draußen warten. Die Menge an Athleten wird immer größer und somit lassen wir sie dann rein. Jens, unser Hauptkampfrichter, mit freundlicher aber bestimmender Stimme: „ Leute, die Tische sind so konzipiert, das ihr von rechts kommt, euch wiegen lasst, dann weiterzieht bis hin zu Micha, der dann eure Musik einsammelt und von den Betreuern die 5€ Kostenpauschale ( haben wir dieses Jahr eingeführt, da ja die Kosten gestiegen sind und sie ja auch das Athletencatering nach belieben nutzen können ) kassiert. Danke.“

Ich warte am Ende der Tische und schon trifft der erste Athlet ein.

„ Hallo, in welcher Klasse startest du und welche Starternummer hast du?“

„ Männer 2, Startnummer 44.“

„Deine Musik?“

„Hier bitte“

„Ich danke dir“ Ein Aufkleber kommt auf seine CD, versehen mit seiner Starternummer.

„Ist das dein Betreuer?“

„Ja“

„Alles klar, 5€ bitte und hier ist dein Betreuerbändchen. Viel Erfolg euch!“

Mann, da stehen ne ganze Anzahl an Athletinnen und Athleten ( es sollten 70 im Ganzen sein wie es sich hinterher rausstellte ), dachte ich. Klasse, na das wird ne tolle Meisterschaft.

Plötzlich, ich sage mal bei ca. der Hälfte der Athleten angekommen, steht unser Ton –und Lichtmeister, Thorsten, neben mir. „ Die Musikanlage funktioniert nicht!“

„ Waaaas?????“ Oh nein! Nur die Ruhe! „ Hast du alles ausprobiert?“ „ Ja sicher!“

„ Such bitte den Tontechniker vom Haus und frag ihn, ob wir eine Alternative haben“

Und weiter geht’s. Das Wiegen neigt sich dem Ende entgegen. Die Listen werden erstellt und die Spannung steigt. Der Saal füllt sich mit Zuschauern, die sich entschlossen haben nur der Vorwahl beizuwohnen.

Ich schaue zu Thorsten und er signalisiert mir mit 2 Daumen hoch, das die Musikanlage läuft.

Ich suche meinen Platz am Kampfrichtertisch. Aha, heute auf Kampfrichterplatz Nummer 2. Gute Sicht auf die Athleten. Meine Mappe liegt vor mir. Auf geht’s!

11:05 Uhr. Mit einer kleinen Verzögerung geht’s los.

Der 1. Vorsitzende, Stefan Zetzsche, moderiert die Vorwahl. Einleitend werden die Zuschauer begrüßt und es werden die Sponsoren und die Mitgliedsstudios genannt. Jetzt kann’s losgehen.

Als erstes betreten die Masters ( über 40 Jahre ) die Bühne. Klasse! Bodybuilding ist ein zeitloser Sport. Diese Kerle zeigen was sie in ihrem Alter noch „draufhaben“! Einer ist sogar 50 ( ! ). Und meinen Informationen zufolge, startet er zum ersten Mal!!! Hammer!

Jeder von ihnen zeigt die geforderten Pflichtposen ( 7 Stück an der Zahl ). Ich schreibe meinen Platzierungszettel und reiche ihn gleich nach links weiter, damit unsere „Punktefee“, Sabrina, die Punkte aller Kampfrichter zusammenzählen kann.

Danach folgen die Newcomer auf die Bühne. 12 ( ! ) Athleten an der Zahl. Klasse, denke ich und fange an meinen Blick über die austrainierten Körper schweifen zu lassen. Jeder einzelne hat sich hier sehr viel Mühe gegeben! Als Athlet weiß ich, was dazu gehört, sich auf eine große Bühne zu begeben und sich den kritischen Augen des Kampfgerichts zu stellen.

Von den 12, kommen dann schließlich 6 in’s Finale. Das ist, was wir bei der stattfindenden Vorwahl, durch unsere Kampfrichterabstimmung festlegen müssen.

Der Hauptkampfrichter ( Jens ), gibt den „Takt“ vor: „ Wir fangen mit der ersten Runde an, dem Lineup.“

Diese erste Runde ( Lineup ), dient dem Kampfrichter sich einen ersten Gesamteindruck vom Athleten zu verschaffen und ihn gleichzeitig im Vergleich mit seinen Mitkonkurrenten zu beurteilen. Es beinhaltet die Vorder –und Rückansicht.

Die zweite Runde beinhaltet die 7 Pflichtposen ( Doppelbizepspose – Vorderansicht, Latissimuspose – Vorderansicht, seitliche Brustpose – Seite beliebig, Doppelbizepspose – Rückansicht, Latissimuspose – Rückansicht, seitliche Trizepspose – Seite beliebig und die Bauch/Beinpose – Vorderansicht )

Mein Zettel steht fest. Leider können, dem Reglement entsprechend, nur 6 Teilnehmer in das Finale einziehen. 6 haben demzufolge leider das Nachsehen. Für die, die es nicht in’s Finale schaffen, tut mir das persönlich leid, da sich jeder von ihnen sehr viel Mühe gegeben hat. Doch ich habe mich entschieden.

Weiter geht’s mit den Damen der Bikini Fitnessklasse bis 165 cm.

Applaus des Publikums und ich vernehme schon die ersten „Tuschelein“. Ist klar, der Freund, die Familie, der Betreuer, die Bekannten fachsimpeln und stufen schon ihren Schützling auf die Plätze 1 – 6 ein.

7 hübsche Teilnehmerinnen. Alle sehen gut aus auf den ersten Blick. Jetzt muss ich in’s Detail gehen. Die Kriterien für die neu geschaffene ( jetzt heißt sie ) Bikini Fitnessklasse, sind eindeutig: Muskelansätze sind erlaubt und gefragt. Darum heißt es ja jetzt im Gegensatz zu früher, Bikini Fitnessklasse. Es sollten halt nicht zu viele Muskeln sein, wie bei z.B. den Damen der Frauen Fitness Figurklasse und schon gar nicht so ausgeprägt wie bei den starken Damen der Bodybuildingklassen.

Nach dem Abschluss der Wertungsrunden habe ich mich entschieden und reiche wieder schnell meinen Wertungszettel weiter an das „ Zählwerk“.

Jetzt folgt die „große“ Bikini Fitnessklasse, über 165 cm. Hier stehen ebenfalls 6 hübsche und gut trainierte Athletinnen auf der Bühne. Einigen sehe ich die sprichwörtliche Nervosität im Gesicht an. Ist ja normal. Einige Gesichter erkenne ich wieder. Habe sie schon mal auf der Bühne gesehen und beurteilt. Einige kenne ich nicht und freue mich über neue Gesichter. Freue mich darüber, dass diese Damen den Weg auf die Bühne gefunden haben, so wie die gestandenen Athletinnen.

Hier auch wieder die Wertungsrunden und ich entscheide mich für die Plätze 1 – 6.

„ Danke meine Damen, sie können die Bühne verlassen“, tönt es über die Lautsprecher. Jens ( der Hauptkampfrichter ) hat alles im Griff und weist die Athletinnen sehr souverän.

 

Die Organisation hinter der Bühne läuft dank Andy, hervorragend. Ein „alter Hase“ in seinem Geschäft. Der haut einem manchmal Namen von Athleten und Gaststars um die Ohren, womit die heutige Bodybuildingjugend gar nichts anzufangen weiß und die älteren unter den Athleten, Betreuern und Helfern in’s Schwärmen geraten und sofort von den „alten Zeiten“ reden. Herrlich!

 

Gleichauf folgen die Damen der Frauen Fitness Figurklasse. Hier haben wir die Klassen zusammenlegen müssen, aufgrund der geringeren Teilnehmerinnenanzahl in den einzelnen Klassen.

Wenn die Anzahl der Teilnehmerinnen in einer Klasse unter 3 fällt, werden die Klassen zusammengelegt.

Die Damen betreten die Bühne und ein kleines Raunen geht durch die Menge. Diese Damen haben im Gegensatz zu den vorherigen Bikini – Damen Muskelansätze, die viel deutlicher sind und dem Reglement entsprechend, gefordert.

Wieder lasse ich meinen Blick schweifen und fülle meinen Zettel aus. Rechts von mir werde ich vom Kampfrichter Nummer 3 angestoßen. Habe ich was vergessen, dachte ich. Nein, er überreicht mir die anderen Zettel, nebst seinem, der übrigen Kampfrichter, damit ich sie an unsere „ Punktefee“ weiterreichen kann.

 

Die Juniorenklasse I, bis 75 kg ist dran. Toll! 5 Athleten betreten die Bühne. Klasse! Der Nachwuchs ist da. Den brauchen wir! In der Vergangenheit sah es nicht so gut aus damit. Jetzt scheinen wir auf dem richtigen Weg zu sein.

In dieser Klasse sind zwei, ich nenne es mal so, ganz „unbedarfte“ Athleten dabei. Ich will damit sagen, dass diese ganz am Anfang ihrer Bodybuilding Entwicklung stehen. Einer von ihnen führt die geforderten 7 Pflichtposen nicht ganz so korrekt aus, wie es das Reglement fordert. Kaum denke ich: man sollte ihm irgendwie helfen, greift sofort unser Hauptkampfrichter ein und sagt: „ Wenn du dir unsicher bist, schau dir einfach das bei deinen Sportskameraden ab und mach es nach.“ Spitze, denke ich und bin froh darüber, dass ihm geholfen wird. Er wirkt auch jetzt viel sicherer, auch wenn Korrekturbedarf bestünde.

 

Jetzt kommen die „schweren“ Junioren über 75kg. 6 junge, hoffnungsvolle, talentierte Athleten betreten ziemlich selbstsicher die Bühne, als wenn sie schon jahrelang dabei sind.

Einige haben in der Newcomerklasse mitgemacht und der Vorjahressieger ist auch wieder dabei. Er dominiert die Klasse von vornherein, jedoch sind ihm seine Mitkonkurrenten dicht auf den Fersen. Gib einigen von denen 1-2 Jahre und sie werden auch ganz starke, außergewöhnliche Athleten sein, denke ich und fülle meinen Zettel aus.

Frauenbodybuilding ist als nächstes dran. Leider hat diese Kategorie in den letzten Jahren stetig abgenommen. Hier mussten wir auch die Klassen I und II zusammenlegen ( wie oben bei der Frauen Fitness Figurklasse erwähnt ).

Die „starken“ Damen zeigen ihre kompakt, hart antrainierte Muskulatur in den geforderten 5 Pflichtposen ( Latissimus von vorne und in der Rückansicht entfallen im Frauenbodybuilding ). Wieso eigentlich? denke ich. Die machen auch so manchem Mann Konkurrenz.

Meine Entscheidung ist gefallen und die der anderen Kampfrichter auch.

 

Das Classic Bodybuilding ist jetzt an der Reihe und wir haben 13 ! Teilnehmer! Wow! denke ich und sage mir selbst, als die Athletenaufreihung gar kein Ende zu nehmen scheint, „ Wir brauchen eine größere Bühne!“

Mein Blick schweift rasch von links nach rechts und wieder zurück. Nimm dir Zeit denke ich und schau mir nun jeden einzelnen Athleten genau an. Einige Gesichter erkenne ich wieder und einige sind gänzlich neu. Klasse! Ich fordere beim Hauptkampfrichter, aufgrund der erheblichen Anzahl von Athleten, meine persönlichen Vergleiche.

Auf dem dafür vorgesehenen Vergleichszettel trage ich die 5 Startnummern ein, die ich für am stärksten erachte. Ich möchte speziell diese 5 Athleten nebeneinander stehend haben, um meine endgültigen Top 6 festlegen zu können. Auch andere Kampfrichter haben ebenfalls die Möglichkeit diese Vergleiche zu nutzen für ihre Entscheidungen.

Ich habe mich entschieden. Meine Top 6 stehen fest! Es war nicht einfach. Die Leistungsdichte in dieser Klasse ist unwahrscheinlich hoch.

 

Die Paare stehen an. Eine Bereicherung für jede Meisterschaft. Bevor das Paar ( leider nur eins ) die Berliner Bühne betritt, schwelge ich kurz in meinen eigenen Erinnerungen, als ich mit meiner Frau, 2007, die Deutsche Meisterschaft der Paare gewinnen konnte. Man hat das Spaß gemacht!

Das Paar betritt die Bühne und sie absolvieren ihre Pflichtposen sehr souverän ( dieses Paar ist ein sehr Wettkampferfahrenes ).

 

Die Männerklassen kommen jetzt. Fünf Stück an der Zahl.

Bevor es losgeht, gönne ich mir ein Schluck Mineralwasser. Auf der Bühne im Hintergrund höre ich wieder Andy: „ So meine Herren! Bitte die Männerklassen I und II für ihren Auftritt bereithalten! “ Klasse, wie der Mann das so locker, aber wiederum bestimmend alles managed.

Einst sagte er zu mir mit einem breiten Lächeln: „ Alles hört auf mein Kommando! Dann läuft das. Und bevor nicht alle aus der jeweiligen Klasse hier bei mir sind, könnt ihr da unten warten! Lass doch mal den einen oder eine „müssen“, dann warten wir.“ Recht hast du Andy!

 

Hier mussten wir auch die Männerklasse I ( bis 70 kg ) und II ( bis 80 kg ) zusammenlegen. Mit dabei ist der Vorjahressieger, einige andere namenhafte Athleten und ein Newcomer.

Auch hier absolvieren die Athleten sehr souverän die geforderten 7 Pflichtposen und machen mir meine Entscheidungen nicht einfach. Sehr gute Qualität ist hier zu beobachten! Trotzdem! Meine Entscheidungen sind gefallen.

 

Männerklasse III ( bis 90 kg )

6 Teilnehmer. Ein starkes Feld. Diese Jungs haben deutlich mehr Muskeln am Körper als die „kleinen“ Klassen. 6 Teilnehmer bedeutet natürlich, dass alle in’s Finale einziehen, doch müssen auch diese die „Prozedur“ der Vergleichsposen durchgehen. Schließlich wollen wir ja den Stand der Dinge wissen. Ich habe meinen Zettel fertig und alle anderen Kampfrichter auch.

 

Männer IV ( bis 100 kg )

Fünf sehr starke Teilnehmer „entern“ die Bühne und ein diesmal lautes Raunen aus dem Publikum ist zu verzeichnen. Zwei sehr starke Athleten beherrschen sofort meine Aufmerksamkeit. Für mich selbst kann ich jetzt dieses laute Raunen den Athleten zuordnen und verstehe warum dies geschah. Darüber hinaus vergesse ich trotzdem nicht die anderen Athleten. Hier „mischt“ sich ein Masters unter die Athleten. Klasse! Ein „alter Hase“ begibt sich unter die „jungschen“! Top! Auch hier habe ich meine Entscheidungen getroffen und reiche meinen Wertungszettel nach rechts weiter.

Männer V ( über 100 kg )

Die „dicken Jungs“ kommen auf die Bühne und angesichts der vorhandenen Muskelmasse eines jeden Einzelnen, scheint die Halle zu beben. 6 Teilnehmer, alle über 100 kg, also gesammelte, geschätzte 650 kg „marschieren“ auf die Bühne!

Auch in dieser Klasse sind wieder gesonderte Vergleiche gefordert worden von Kampfrichter Nr. 5. Aufmerksam und kritisch verfolge ich die Vergleiche und fülle meinen Wertungszettel aus.

 

Puh! Geschafft! Die erste „Hürde“ ist genommen. Ich erhebe mich von meinem Stuhl, sortiere meinen Kampfrichterordner und begebe mich, nachdem unser Moderator Stefan Zetzsche, die Vorwahl für beendet erklärt und die Zuschauer darauf aufmerksam macht, dass das Finale um 16:30 Uhr anfängt, in das Foyer des Fontane Hauses.

Es ist jetzt 14:30 Uhr. Ich habe noch 2 Std. Zeit. Wo ist unser heutiger Gaststar? Ist er schon da? Hoffentlich! Gestern Abend, als wir essen waren, hatten wir alles abgesprochen, wie der Plan für heute ist.

Auf meinem Weg zum Foyer begegnen mir viele , bekannte Gesichter. Klasse! Eine kurze Unterhaltung hier und eine kurze Unterhaltung da. Immer wieder muss ich das Gespräch fast abbrechen, damit ich jedem gerecht werden kann.

Die Sponsoren BIG ZONE und BODY ATTACK haben volle Stände! Die Besucher futtern Riegel und trinken ihr Protein.

Ein etwas kleinerer Mann kommt auf mich zu und sagt:“ Hi Micha! Wie geht es dir? Mann ist das toll wieder hier zu sein!“ Ich bin etwas verlegen, kenne sein Gesicht, jedoch habe ich seinen Namen vergessen! Peinlich. „ Hi, danke, mir geht es gut. Und dir? Sei mir bitte nicht böse, ich habe dich so lange nicht mehr gesehen. Wie war noch mal dein Name?“

„ Lutz“

„ Mensch Lutz! Sorry. Ja klar. Das Ichi Dai in Lichtenrade! Du bist damals in der Männer I gestartet!“

„ Ja genau!“

Wir unterhalten uns kurz und er teilt mir mit, dass er schon seit mindestens 5 Jahren keine Meisterschaft mehr besucht hat. Auch dieses Gespräch muss ich leider abbrechen. Wo ist der Gaststar? Da ist er! Er ist am IFBB BERLIN Stand und unterhält sich prächtig mit seinen Fans! Ich rede kurz mit den Jungs von unserem Stand und teile ihnen die Zeiten mit für den Abend.

„Hey Vince, jetzt ist Pause bis 16:30 Uhr. 15:30 Uhr ist Einlass und das Finale beginnt um 16:30 Uhr. Wir haben also noch genügend Zeit etwas essen zu gehen.“

„Hey Mike. Na klar! Lass uns was futtern und meinen Auftritt durchgehen.“

Wir gehen in die Einkaufspassage und kehren beim Asia Bistro ein.

Wir bestellen uns trockenen Reis mit Huhn. Was sonst!

Nur auf eines besteht Vince: Cola. Richtige Cola! Kein Light! OK.

Ich geh mit ihm seinen Auftritt durch und den Ablauf.

15:15 Uhr. Wir laufen zurück zur Halle. 5 Min. Vince nimmt an seinem Tisch platz und wird sofort von Fans belagert.

Ich spaziere noch ein bisschen durch das Foyer und unterhalte mich wieder mit vielen Leuten und auch Athleten.

 

15:45 Uhr, ich begebe mich hinter die Bühne um mich nach einigen Athleten zu erkundigen. Die Finalplatzlisten hängen bereits aus und ich sehe freudige und auch etwas enttäuschte aber immer und jederzeit faire Sportlergesichter.

„ Na Raffi, ( unsere Athletencatering Dame ), hast du alles im Griff?“

„ Na klar doch! Alle sind rundum versorgt.“

„ Reicht alles?“

„ Ja sicher. Das passt!“

16:10 Uhr. Ich gehe noch mal zu Thorsten nach hinten zur Ton –und Lichtanlage.

„ Alles ok bei dir? Brauchst du noch irgendwas?“

„ Nein, alles in Ordnung“

„ Ich stell dir Gaby noch an die Seite und die kann dir dann assistieren“

„Alles klar, mach das. Danke“

16:20 Uhr. Die Halle füllt sich. Fast jeder Platz ist besetzt. Ich bleib noch kurz hinten bei Thorsten um mir eine andere Sicht zu verschaffen, bevor es losgeht. Diese kurzen Momente sind es, wo man sich fragt, ob denn alles gut gehen wird und was alles passieren wird. Man ist für sich ganz alleine. Fast wie in Trance. Keiner scheint mehr in der Halle zu sein. Man hört für einen kurzen Moment nichts mehr. Das sind vielleicht nur ein paar Sekunden, doch kommen einem diese vor wie eine Ewigkeit. Dann höre ich wieder Stimmen und sehe die Zuschauer. Die Halle ist fast ausverkauft. Toll!

16:25 Uhr.

Ich nehme wieder Platz am Kampfrichtertisch.

16:30 Uhr. Die Halle verdunkelt sich und ich höre die theatralische Einleitungsmusik. Die Berliner Meisterschaft wird eröffnet! Die Musik verstummt und der 1. Verbandsvorsitzende, Stefan Zetzsche, eröffnet das Finale.

Ich blicke noch mal ganz kurz über meine Schulter und erblicke meine Frau, den Gaststar, die Sponsoren und die vielen, vielen Zuschauer.

Stefan verliest die Sponsoren und die Mitgliedsstudios. Der erste Applaus des Abends ertönt.

Nun geht es los! Das mit Spannung erwarte Finale beginnt.

Das Finale in jeder Klasse läuft ähnlich ab wie bei den Vorwahlen. Nur mit dem Unterschied, dass im Anschluss an den einzelnen Vergleichen in den jeweiligen Klassen, die Posingküren vorgetragen werden.

DAS ist es, was das Finale ausmacht! Die Posingküren! Vorgetragen werden diese in allen Klassen, außer bei den Bikinidamen und den Frauen Fitness Figurdamen.

In allen Klassen sind sehr schöne und interessante Küren zu beobachten. Das Beurteilen meinerseits fällt mir nicht leicht, jedoch komme ich zum Schluss auf einen Nenner.

Die Siegerehrungen werden vorgenommen. Ich verzeichne einige, wenige enttäuschte Gesichter und überwiegend freudige und teilweise sehr gerührte Gesichter, bis hin zum freudigen Tanzen!

Nach dem Frauen Bodybuilding, gibt es eine zwanzigminütige Pause.

„Wie siehst du mich auf den Platzierungen in meiner Klasse?“ Ein mir bekannter Athlet spricht mich an.

„Das kann ich dir noch nicht sagen, da du noch nicht dran warst. Kämpfe und gib alles.“

Mein Blick trifft den Gaststar, Vince Taylor. Ich gehe auf ihn zu und sage:“ So Vince, wenn die Siegerehrung für die Paare war, werde ich die Bühne betreten und dich in einer kurzen Laudatio vorstellen.“

„Ok Mike!“

Die Pause ist zu Ende, die Paare erhalten ihre Ehrung und ich betrete die Bühne und gehe zielstrebig auf das Rednerpult zu. Ich schnappe mir das Mikrophon und stelle dem Publikum unseren heutigen Gaststar vor.

„........bitte begrüßt mit mir den einmaligen Vince Taylor!“

Tosender Applaus. Vince schnappt sich das Mikro und spricht kurz mit dem Publikum. Seine letzten Worte, bevor er die Bühne verlässt und sich für seinen Auftritt vorbereitet, sind: „ Ich habe hier in Berlin meine Bodybuildingkarriere begonnen und werde heute meinen Abschied vom aktiven Wettkampfsport mit diesem Auftritt vollziehen. Ich mag Deutschland, aber ich liebe Berlin! Danke!“

Nochmals tosender Beifall!!!!

Vince geht von der Bühne und ich begebe mich wieder an den Kampfrichtertisch.

Der Wettkampf wird fortgesetzt.

Das Classic Bodybuilding wird bestritten und der spätere Sieger legt eine Kür hin, womit er das Publikum zu tosendem Beifall hinreißt.

Die Männerklassen sind dran!

Das „Muskelfest“ beginnt!

Die, unter den Bodybuildern werden diese Klassen so genannt, Siebziger und Achtziger betreten die Bühne und ein schon leichtes Raunen geht durch die Menge. Hier zeichnet sich schon eine sehr gute Qualität ab an Muskelentwicklung, Symmetrie, Definition und Muskelproportion.

Der Sieger ist auch der Vorjahressieger! Glückwunsch an alle Teilnehmer.

Die, wie sie früher genannt wurden, Leichtschwergewichtler betreten die Bühne und abermals verzeichne ich ein Raunen. Topqualität, gepaart mit toller Muskelentwicklung!

Auch hier ist der Sieger der Vorjahressieger! Ich bin immer wieder davon begeistert, mit welcher Hingabe und Disziplin diese Athleten, sich Jahr für Jahr in Form bringen! Überhaupt ist es toll zu registrieren, wie viele Athletinnen und Athleten sich wieder so viel Mühe gegeben haben, um an dieser Meisterschaft teilzunehmen.

Jeder der schon mal auf einer Bodybuildingbühne gestanden hat, ob regional, national oder international, weiß wie schwierig das ist. Es sind ja nicht nur die quälenden 3 Monate vor einem Wettkampf, sondern das sich außerhalb der Saison, akribisch darauf vorzubereiten. Ernährungspläne werden geschrieben, Trainingspläne aufgestellt und die Disziplin zu entwickeln, das jeden Tag durchzuziehen! Mein Respekt zollt jeder Athletin und jedem Athleten! Egal welche Platzierung am Ende daraus hervorgeht! Der Wettkampf beginnt bei der Entscheidung mitzumachen!

 

Der Gastauftritt:

Die Bühne ist dunkel und Vince Taylor betritt die Bühne. Soulmusik ertönt aus den Lautsprechern und er bewegt sich mit eleganten Posen über die Bühne. Dann! Leicht erhelltes Licht und er bewegt sich auf den Bühnenhintergrund zu, bleibt stehen, dreht sich langsam um und aus den Lautsprechern heißt es: „ STEP FORWARD PLEASE!“ Das Publikum grölt und applaudiert, jetzt weiß jeder was kommt: Die Transformershow!

Vince reißt alle mit und als er fertig ist, hält es niemanden mehr! Tosender Applaus!

Dann ein kurzer Augenblick. Ein ganz kurzer und Vince setzt seine Posingshow fort mit dem Lied der erst kürzlich verstorbenen Whitney Housten, „ I will always love you“ aus dem Film Bodyguard. Vince drückt soviel aus in seinem Posing. Das „ I will always love you“ setzt er um, in fließenden Bewegungen und Gesten, die einem unmissverständlich zu verstehen geben: Er wird immer Berlin und seinen Berliner Fans verbunden bleiben!

Als er fertig ist geht in der Halle das Licht an und er registriert SEIN Standing Ovation!

Good Bye Vince! Thank you! BERLIN LOVES YOU!

 

Die Schwergewichtler und danach die Superschwergewichtler, die „schweren Jungs“, betreten nacheinander die Bühne und absolvieren ihr Programm. Jedes einminütiges Posedown entlockt bei mir persönlich ein zufriedenes Lächeln. Ich blicke in die Gesichter der Athleten und registriere die Freude und als wenn die dahinschwindende imaginäre Last des Druckes von ihren starken Schultern zu fallen scheint! So als wenn sie sagen wollten: „ Seht her! Das bin ich und ich habe es geschafft!“

Beim Posedown gehen alle Athleten, sobald die krachende und pulsierende Musik aus den Lautsprechern ertönt, ganz weit nach vorne, fast an den Rand der Bühne, so dass ich als Kampfrichter vorbereitet sein muss, dass einer von Ihnen seine Kraft nicht mehr steuern kann und auf den Kampfrichtertisch fällt. Sie scheinen förmlich zu explodieren. Mobilisieren ihre letzten Kräfte und stellen sich ihren „Gegnern“ und fordern sie zu der einen oder anderen Pose auf. Klasse! Jedes mal ein Ereignis!

Der Wettkampf neigt sich dem Ende entgegen und es fehlt nur noch eins:

Das Gesamtsiegerstechen!

Alle fünf Männerklassensieger betreten die Bühne und ich muss mich ein letztes Mal an diesem Abend entscheiden.

Vergleichsposen und Posedown! Geschafft! Mein Zettel wandert mit den anderen nach rechts. Das Ergebnis wird unserem Moderator, Stefan Zetzsche gereicht und er verkündet: Der Gesamtsieger der Berliner Meisterschaft 2012 kommt aus der Männer IV-Klasse!

Glückwunsch!

Ich bin sehr erleichtert und froh! Heute hat alles Reibungslos funktioniert und jetzt kann ich mich auf die Deutsche Meisterschaft in Wiesloch am 12.5.2012 konzentrieren!

Wir ( Stefan und ich ) stellen unser Team zusammen für die „Deutsche“. Wir sprechen mit den Athletinnen und Athleten, ob sie denn fahren möchten und die meisten nicken mit einem Lächeln im Gesicht.

Jetzt heißt es: Die Halle aufräumen und die Gedanken sammeln.

Das Licht geht aus und jetzt geht’s nach Hause.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Vereinigung Berliner Bodybuilder und Fitnesssportler e.V.

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Stefan Zetzsche

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